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prolesGast: Mehrwertsteuer - Steuersatzreduktion per 1. Januar 2018

Gastautor
Montag, 30. Oktober 2017

Welche MWST-Sätze werden in der Schweiz und in Liechtenstein per 01.01.2018 gesenkt? Welcher MWST-Satz gilt für jahresübergreifende Leistungen? Was gilt für bereits mit einem alten MWST-Satz fakturierte, jahresübergreifende Leistungen? Was gilt bei Vorauszahlungen und periodischen Leistungen?

Lesen Sie in unserem aktuellen Blog-Beitrag die Anworten von Esther Hiltpold (VAT Support GmbH).


Welche MWST-Sätze werden in der Schweiz und in Liechtenstein per 01.01.2018 gesenkt?

Per 1. Januar 2018 werden die MWST-Sätze gesenkt, womit der Normalsatz neu 7.7% und der Beherbergungssatz 3.7% betragen wird. Der reduzierte Satz bleibt unverändert bei 2.5%:

Welche MWST-Sätze werden in der Schweiz und in Liechtenstein per 01.01.2018 gesenkt?

Welcher MWST-Satz gilt für jahresübergreifende Leistungen?

Für die Frage, welcher MWST-Satz in der Übergangszeit anzuwenden ist, ist einzig der Zeitpunkt der Leistungserbringung massgebend. Rechnungsdatum und Zahlungseingang sind hingegen nicht relevant. Wird die Leistung teilweise im alten und teilweise im neuen Jahr erbracht, ist in der Rechnung ein Split nötig. Fehlt dieser, muss die gesamte Leistung zu den alten MWST-Sätzen versteuert werden. Allerdings ist es möglich, Rechnungen nachträglich zu korrigieren, und anstelle der Aufteilung können natürlich auch zwei separate Rechnungen ausgestellt werden.

Was gilt für bereits mit einem alten MWST-Satz fakturierte, jahresübergreifende Leistungen?

Soweit jahresübergreifende Leistungen bereits zu den alten MWST Sätzen fakturiert wurden, gilt der Grundsatz, dass die fakturierte Steuer geschuldet ist. Solche Rechnungen sollten deshalb korrigiert werden (Art. 27 Abs. 4 MWSTG).

Was gilt bei Vorauszahlungen und periodischen Leistungen?

Da Rechnungs- und Zahlungsdatum unerheblich sind, können bereits heute Vorauszahlungen für Leistungen im neuen Jahr zum tieferen Satz in Rechnung gestellt werden. Dies trifft regelmässig bei Abonnementen für periodische Leistungen zu, bei denen eine Aufteilung pro rata temporis erfolgen muss. In den MWST Abrechnungsformularen für das 4. Quartal bzw. 2. Semester 2017 sind die neuen Steuersätze bereits zusätzlich aufgeführt (Anpassung der MWST-Abrechnungsformulare).

Was gilt bei Bauleistungen?

Bei Bauleistungen ist der Zeitpunkt der Arbeitsausführung vor Ort massgebend (Montage etc.). Werden Aufträge in Arbeit per 31. Dezember 2017 mit einem detaillierten Situationsetat oder Teilzahlungsgesuch (Zwischenrechnung) abgegrenzt, unterliegen die ab diesem Datum erbrachten Leistungen dem neuen Steuersatz.

Was gilt bei der Bezugsteuer?

Bei der Bezugsteuer gilt ebenfalls einzig der Leistungszeitpunkt als Abgrenzungskriterium. Deshalb sollten ausländische Leistungserbringer bei Leistungen über den Jahreswechsel hinaus die im neuen Jahr erbrachten Leistungen gesondert fakturieren oder separat ausweisen. Andernfalls unterliegt beim Empfänger die gesamte Leistung dem alten MWST-Satz.

Was gilt in der Gastronomie und der Hotellerie?

In der Hotellerie und im Gastgewerbe müssen Beherbergungen und Konsumationen in der Silvesternacht zu den alten Sätzen abrechnet werden. Dies gilt auch bei Pauschalarrangements über die Neujahrstage, die im Übrigen aufzuteilen oder gänzlich zu den alten Sätzen zu versteuern sind.

Ändern sich auch die Saldo- und Pauschalsteuersätze?

Parallel zu den gesetzlichen Sätzen werden per 01.01.2018 auch die Saldosteuersätze (SSS) und die Pauschalsteuersätze (PSS) angepasst:

Ändern sich auch die Saldo- und Pauschalsteuersätze?

Kann per 01.01.2018 die Abrechnungsmethode ausserterminlich gewechselt werden?

Die proportionale Anpassung der Saldo- und Pauschalsteuersätze als Folge der gesetzlichen MWST-Satzänderung ermöglicht erstmals keine ausserterminlichen Wechsel der Abrechnungsmethode. Dies aufgrund der Teilrevision MWSTG (Anpassung von Art. 115 MWSTG).

Wechsel vor Ablauf der massgebenden Wartefrist sind per 1. Januar 2018 nur möglich, wenn für die von einem Unternehmen ausgeübte Tätigkeit der Saldo- oder Pauschalsteuersatz losgelöst von der gesetzlichen Steuersatzänderung angepasst wird. Mit Wirkung per 1. Januar 2018 aktualisiert die ESTV tatsächlich die Saldo- und Pauschalsteuersätze in zahlreichen Fällen im Rahmen einer periodischen Überprüfung. Dies eröffnet einigen Unternehmen gleichwohl eine ausserterminliche Wechselmöglichkeit.

Tipp: Anhaltspunkte liefern die von der ESTV publizierten Zusammenstellungen der wichtigsten Änderungen bei den Saldo- bzw. Pauschalsteuersätzen per 1. Januar 2018, die nicht auf die Senkung der Steuersätze zurückzuführen sind (Link SSS / Link PSS). Nur die in diesen Tabellen farblich markierten Tätigkeiten erlauben ausserterminliche Wechsel.

Was ist EDV-technisch zu beachten?

IT-Systeme, die für die MWST-Sätze keine Zeitachse führen, zwingen die Unternehmen in der Übergangszeit zu einer sorgfältigen Planung von Fakturierung und Verbuchung. Prinzipiell sind diesfalls zuerst alle Leistungen aus dem Jahr 2017 zu fakturieren und zu verbuchen. Erst dann können im System die MWST-Sätze angepasst werden. Aber auch IT-Lösungen mit zeitachsenbezogenen Steuersätzen erfordern gewissenhafte Mutationen von Artikelstämmen und Steuercodes. Berechnet das IT-System den Vorsteuerabzug automatisch, ist in der Übergangszeit auch bei den Kreditorenrechnungen erhöhte Vorsicht geboten.

Anmerkung von proles solutions ag: Wir werden Ihnen in proles optimale Funktionen zur Verfügung stellen, um die Anpassung der MwSt-Sätze ohne grossen Aufwand zu meistern: prolesNews: Neue MwSt-Sätze ab 01.01.18 - Umsetzung in proles.

Was gilt, wenn Rechnungen im neuen Jahr einen alten MWST-Satz zeigen?

Rechnungen für Leistungen, die ab dem 1. Januar 2018 erbracht werden, müssen die neuen Steuersätze zeigen. Wird stattdessen ein alter und damit zu hoher MWST-Satz ausgewiesen, ist die ausgewiesene Steuer geschuldet, selbst wenn es sich um eine Leistung handelt, die im neuen Jahr erfolgte. Es gilt der Grundsatz, wonach fakturierte Steuer geschuldet ist. Davon kann nur abgewichen werden, wenn die Rechnung korrigiert oder dem Bund nachweislich kein Steuerausfall entstanden ist (Art. 27 MWSTG).

Tipp: Einschlägige Informationen dazu enthält der Fachartikel «Was gilt als Hinweis auf die Steuer im Sinne von Art. 27 MWSTG?» von Hiltpold VAT Support, siehe Unterthema «Was tun, wenn ein falscher Steuerausweis erfolgt ist?».

Wo finde ich weitere Informationen?

Weitere Informationen enthält die MWST-Info 19 Steuersatzänderung per 1. Januar 2018.

Über Esther Hiltpold

Esther Hiltpold - VAT Support GmbHEsther Hiltpold ist Inhaberin und Geschäftsführerin der VAT Support GmbH (www.vatsupport.ch). Die langjährige und praxiserprobte MWST Expertin steht für persönliche, individuelle und fachspezifische Beratung und Betreuung von KMU’s, NPO’s und Treuhändern in allen Fragen der Mehrwertsteuer.


Über prolesGast

In der Rubrik «prolesGast» publizieren wir Gastbeiträge zu unternehmerischen, betriebswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Themen - natürlich immer mit Relevanz für unsere Kunden und Partner aus der Dienstleistungsbranche. Falls Sie interessiert sind, als Gastautor im prolesBlog einen Fachbeitrag zu publizieren, nehmen Sie bitte mit uns Kontakt auf.

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