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Was Dienstleister gegen den Fachkräftemangel unternehmen können

Simon Grenacher
Montag, 16. September 2019

Das Blatt hat sich gewendet. Bestand für uns vor wenigen Jahren die grösste Herausforderung in der Akquisition spannender Kundenprojekte, so liegt unser Nadelöhr heute klar bei der personellen Besetzung vieler Projekte. Insbesondere die Gewinnung guter und erfahrender Fachkräfte fällt schwer und dauert mittlerweile deutlich länger als noch vor zehn Jahren.

Doch, es geht nicht nur uns so. Der Engpass gut ausgebildeter, erfahrender und zur Unternehmenskultur passender Fachkräfte hat mittlerweile die Mehrzahl an Dienstleistungsunternehmen erfasst. Egal ob Ingenieure, IT-Spezialisten, Werber, Architekten oder Berater, es gibt oft mehr Arbeit als Fachleute, die sie erledigen könnten. Damit sind dem weiteren Wachstum und der Entwicklung vieler Dienstleister deutliche Grenzen gesetzt.

Ich habe aus dieser Entwicklung für mich die Schlussfolgerung gezogen, dass wir uns um Mitarbeitende mindestens so intensiv bemühen müssen, wie um die Gewinnung neuer Kunden. Daraus habe ich vier Handlungsfelder abgeleitet und Erfahrungen damit gesammelt, die ich Ihnen hier – quasi von Dienstleistungsunternehmer zu Dienstleistungsunternehmer – nicht vorenthalten will.

Erstens: Ändern Sie Ihren Mindset

Irgendwann musste ich erkennen, dass ich als Unternehmer nicht mehr einfach nur Arbeitgeber war, der aus vielen Bewerbern aussuchen und seine eigenen Bedingungen durchsetzen konnte. Im Gegenteil, ich war vom «Geber von Arbeit» zum «Bewerber um Fachleute» geworden. Sehr schnell war mir bewusst, dass uns der Engpass «gutes Fachpersonal» sogar deutlich mehr ausbremsen konnte, als es früher gelegentlich die Schwierigkeiten um das Gewinnen von Neukunden und Neuprojekten taten.

Diese Änderung der Denkrichtung fiel mir offen gesagt nicht leicht und dauerte auch seine Zeit. Vor allem bei Unternehmern und Führungskräften, die in ihrem Führungsverhalten noch vor der Jahrtausendwende geprägt wurden, spielt die Denke von «Ich Chef – Du von mir abhängiger Angestellter» noch eine Rolle und muss erst mühsam überwunden und wieder entlernt werden.

Ich bin allerdings davon überzeugt, dass diese Änderung des Mindsets an erster Stelle kommen muss, sollen die nachfolgenden Handlungsempfehlungen wirklich etwas bringen.

Zweitens: Erfüllen Sie die Erwartungen von (jungen) Fachkräften

Wollen Sie zufriedene Kunden, dann müssen Sie deren Erwartungen erfüllen. Wollen Sie zufriedene Mitarbeitende, die Ihrem Dienstleistungsunternehmen treu bleiben, dann müssen Sie auch deren Erwartungen erfüllen. Soweit, so logisch.

Die Gretchenfrage lautet vielmehr: Was sind die Erwartungen, die junge Leute heute an Ihr Unternehmen stellen? Folgende Anforderungen (selbstverständlich ohne Garantie auf Vollständigkeit) stehen dabei aus meiner Erfahrung bei Dienstleistern stets weit oben auf der Wunschliste.

Funktionierendes Team: Viele jungen Leute wollen heute in einem Team mit anderen zusammen an ihren Aufgaben arbeiten. Das hängt wohl nicht zuletzt damit zusammen, dass seit vielen Jahren an den Schulen aller Stufen Teamwork systematisch gefördert wird. Einzelkämpfertum wird hingegen eher zurückgefahren. Allerdings wünschen sich die Mitarbeitenden ein echtes Team mit entsprechendem Teamspirit (nicht ein «Toll, ein anderer macht’s»). Das Team funktioniert dann nicht selten ein wenig wie die Familie.

Setzen Sie daher in Ihrem Unternehmen vermehrt auf Teams, übertragen Sie ihnen Verantwortung und geben Sie den Teams einen möglichst grossen Gestaltungsspielraum.

Spannende Aufgaben und Entwicklungsmöglichkeiten: Ihre Fachkräfte sind hervorragend ausgebildet. Sie wollen das, was sie gelernt haben auch umsetzen und praktisch nutzen. Zusätzlich wollen sie sich fachlich und persönlich stetig weiter entwickeln. Dieser Wunsch wurde ihnen auf ihrem (oft langen) Ausbildungsweg in die Wiege gelegt.

Natürlich gibt es auch in Ihrem Unternehmen – wie in jedem anderen auch – gelegentlich Aufgaben, die nicht extrem spannend sind, sondern eher zur Kategorie «Routine» gehören. Solche Jobs machen Sie spannender, indem Sie den Verantwortungsbereich deutlich vergrössern und im Prinzip nur noch ein Endziel ausgeben, den Weg dazu aber offen lassen.

Freiraum und Verantwortung, trotzdem klare Leitlinien: Wer etwas kann, will das auch zeigen. Ihre Fachleute erwarten Freiräume bei der Erfüllung ihrer Aufgaben. Sie wollen nicht, dass sie jeden Handgriff vorgegeben bekommen. Und, sie sind dann auch bereit, Verantwortung für ihr Tun zu übernehmen.

Andererseits erwarten sie auch klare Leitlinien, innerhalb derer sie sich (möglichst) frei bewegen können. Das gibt ihnen die nötige Sicherheit. Wollten Sie gar keine Leitlinien, dann würden sie selbst ein Unternehmen gründen.

Moderne Infrastruktur und Tools: Junge Leute suchen eine moderne Arbeitsumgebung, die auf der Höhe der Zeit ist. Das gilt ganz besonders in Dienstleistungsunternehmen. Dazu gehört auch eine zeitgemässe IT-Infrastruktur, die bequem und flexibel genutzt werden kann und Software, die ihre Arbeit einfach und produktiv unterstützt. So wie zum Beispiel proles ;-).

Flexible Arbeitszeiten, gute Work-Life Balance: Gut ausgebildete und motivierte Fachkräfte arbeiten gut und gerne. Trotzdem - oder vielleicht gerade deswegen – legen sie grossen Wert auf ihr Privatleben, auf die Freunde und die Familie. Daher schätzen sie flexible Arbeitszeiten und Arbeitsmodelle, die ihnen zu einer ausgeglichenen Work-Life Balance verhelfen.

Gute Unternehmenskultur: (Immer mehr) Fachleute legen grossen Wert auf eine gute Unternehmenskultur. Sie wollen sich mit ihrem Unternehmen stolz identifizieren können und sich bei der Arbeit wohl fühlen.

Arbeiten in einer erfolgreichen Firma: Je leistungsorientierter Ihre Fachkräfte sind, desto wichtiger ist es ihnen, in einer erfolgreichen Firma arbeiten zu dürfen. Auch wenn sich für sie «Erfolg» dann weniger in Gewinn, als vielmehr in einer guten Reputation und einem guten Image ihres Unternehmens manifestiert. Den Freunden und der Familie gegenüber wollen sie mit einem gewissen Stolz von «ihrer» Firma erzählen können.

Drittens: Betreiben Sie Mitarbeiter-Marketing

Wenn wir neue Kunden suchen, dann machen wir wie selbstverständlich Marketing und vermarkten dazu unserer Dienstleistungen und unser Unternehmen. Nachdem wir heute vor dem primären Engpass «Fachpersonal» stehen, müssen wir logischerweise auch auf diesem Markt Marketing betreiben. Und, das habe ich mittlerweile gelernt, dazu genügt eine simple Stellenanzeige bei weitem nicht mehr.

Zielführende Marketinginstrumente im Personalmarketing gibt es viele. Von der eigenen Website, über Stellen- oder Bewertungsportale wie kununu.ch oder glassdor.ch, über Direktansprache auf LinkedIn oder XING, über Recruiting-Messen und vieles mehr. Ganz entscheidend ist: Mitarbeiter-Marketing sollten Sie permanent betreiben und nicht bloss dann, wenn Sie grad wieder mal eine Vakanz zu besetzen haben.

Zu einem guten Mitarbeiter-Marketing gehört auch, dass Sie Ihr Unternehmen auf dem Arbeitsmarkt bekannt machen und es dort klar positionieren. So, dass künftige Fachleute mit Ihrem Unternehmen in Kontakt kommen, idealerweise schon lange bevor sie selbst einen Job suchen.

Viertens: Pflegen Sie Ihre Unternehmenskultur

Bei den Erwartungen oben habe ich schon kurz auf die Unternehmenskultur hingewiesen. Die Kultur sollten Sie keinesfalls dem Zufall überlassen, sondern mit Konzept und klaren Zielsetzungen so gestalten, wie Sie sie haben wollen.

Als erfolgversprechende Eckpfeiler einer guten Unternehmenskultur für junge Fachkräfte können Ihnen die oben dargestellten Erwartungshaltungen dienen. Sie in die DNA Ihres Dienstleistungsunternehmens «einzupflanzen», wird für Ihr Unternehmen den «War for talents» deutlich schwächer machen.

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